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Wirtschaftskriminalität PDF Print E-mail
Written by Administrator   
Thursday, 04 February 2010 14:01
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Schweiz schläft beim Datenschutz

von Elisabeth Rizzi

Experten warnen vor Leichtgläubigkeit: Schweizer Unternehmen sind besonders gefährdet, Opfer von Datenklau und Patent-Delikten zu werden. Das zeigt der neuste Economic Crime Survey.

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Compliance

Compliance bedeutet in Unternehmungen die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien, aber auch freiwilligen Kodizes, in Unternehmen. Im Deutschen kann, sofern nicht der englische Begriff verwendet wird, von Regelüberwachung gesprochen werden.

Die Wirtschaftskriminalität hat in der Finanzkrise zugenommen. Dass die Zahl der Veruntreuungen und Bilanzfälschungen gestiegen ist, war zu erwarten. Überraschend ist hingegen, dass mit einem Anteil von 27 Prozent die Verletzungen von geistigem Eigentum und Datendiebstahl bereits an zweiter Stelle der verfolgten Wirtschaftsdelikte stehen.

Die Schweizer Unternehmen sind damit deutlich gefährdeter, Opfer von Datenklau und Patentmissbrauch zu werden als die Firmen im Ausland. International beträgt der Anteil solcher Delikte bloss 15 Prozent. Das zeigt der neuste Economic Crime Survey der Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers (PWC).

Datenklauen wird leichter

«Die Schweiz ist einerseits wegen ihrer überdurchschnittlich hohen Anzahl Klein- und Mittelunternehmen (KMU) – und der oft auch aus Kostengründen wenig ausgebauten dortigen Compliance- und IT-Security-Strukturen - für solche Straftatbestände gefährdet. Andererseits sind die Unternehmen hierzulande bezüglich geistigen Eigentums besonders innovativ», erklärt Ivo Hoppler, Partner des Forensic & Dispute Services der Unternehmensberatung Deloitte und ehemaliger Zürcher Staatsanwalt.

Die Zahl der Delikte steige rasant an, weil es immer leichter werde, Daten zu stehlen. «Früher war viel mehr Hardware in Form von Papier im Spiel. Heute sind immer grössere Datenmengen auf Notebooks und Servern abgelegt und können leicht und schnell kopiert werden», sagt er. Häufig seien zudem Projektmitarbeitende in solche Delikte involviert. All das erschwere den Nachweis und die Nachverfolgung von Straftaten.

«In der Vergangenheit haben die Schweizer Unternehmen auch schlicht zu wenig kontrolliert, ob Lizenzgebühren wirklich gemäss den bestehenden Verträgen bezahlt wurden, obwohl die Schweiz zu den Ländern mit den meisten Patentanmeldungen gehört», beobachtet Gianfranco Mautone, Leiter Forensic-Services bei PWC Schweiz.

Eigene Betriebe mit geklauten Daten

Aber nicht nur einzelne Datenklaus sind problematisch. «Die Schweizer Unternehmen sind auch besonders gefährdet, Opfer von unlauterem Wettbewerb zu werden», beobachtet Michael Alkalay, Dozent für Forensik und Wirtschaftskriminalistik an der Hochschule Luzern. Knowhow-Träger und ganze Teams setzten sich ab und würden einen eigenen Betrieb aufbauen – mit geklauten Daten. Oder sie liessen sich ihr Wissen in Beratungsmandaten vergolden. Besonders in Übernahme- und Umstrukturierungsphasen sei es jedoch schwierig, solche Machenschaften nachzuweisen.

Das kostet: Der durchschnittliche Verlust der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen in der Schweiz beläuft sich auf 1,5 Millionen Franken pro Betrieb. 18 Prozent der von PWC befragten Unternehmen gaben zudem an, dass sich die Delikte negativ auf den Ruf des Unternehmens und auf die Marke ausgewirkt hätten. 14 Prozent verzeichneten negative Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen und die Mitarbeitermoral. «Die Antworten der Schweizer Umfrageteilnehmenden deuten darauf hin, dass die potenziell mit betrügerischen Handlungen in Zusammenhang stehenden Kosten unterschätzt werden», schreiben die PWC-Studienautoren.

Mitarbeitende als grösste Gefahr

Was ist also zu tun? «USB-Buchsen mit Sekundenkleber unbrauchbar zu machen ist nicht mehr als ein Hilfeschrei», glaubt Hoppler. Denn die Mehrheit der Delikte sei ein Problem der fehlenden, individuell angepassten Compliance- und IT-Security-Strukturen. Konkret geht es etwa um die Regelung von Zugriffsberechtigungen und den Schutz von Daten.

Tatsächlich sind heute laut Global State of Information Security die Mitarbeitenden mit einem Anteil von 69 Prozent die höchste Ansteckungsquelle für Sicherheitslücken in Unternehmen. «Selbst für KMUs rechnet sich ein massvolles Compliance-Management», glaubt Hoppler deshalb. «Zudem müssen Firmen bei Delikten schneller handeln und repressiver sein. Eine Strafanzeige darf nicht tabu sein», fordert Alkalay.

 

Fundstelle: http://www.20min.ch/

Last Updated ( Thursday, 04 February 2010 14:12 )